LEWANDOWSKI VERSCHENKT ELFMETER – AN COUTINHO

FC Bayern - 1. FC Köln 4:0 (1:0)

München, Allianz Arena, 21.09.2019

Die Alten – also alle, die älter als Pizarro (40) sind – werden sich vielleicht noch an ihn erinnern. An den 22. September 1984. Den ersten Wiesnsamstag jenes Jahres. Mittags wurde ozapft – und nachmittags im Olympiastadion vor 56 000 Zuschauern der 1. FC Köln abgezapft. Mit 2:0. Die Treffer erzielten Rummenigge (75.) und Wohlfarth (90.), der Trainer hieß Udo Lattek. Das bemerkenswerte daran: Es war dies der letzte Heimsieg des FC Bayern gegen die Rheinländer während der Oktoberfestzeit! Beispiele, wie die letzten Begegnungen jener Art im aktuellen Jahrhundert gegen die Geißböcke endeten: 2:2, 0:0, 0:0, 1:1.

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

Die aktuelle FC Bayern-Kolumne
von Jupp Suttner

Doch seit dem jetzigen Samstag, 21. September 2019, ist der Bann gebrochen: Nach 25 Jahren Pause schenkte der FCBay dem 1:FC Kö mit 4:0 fast eine Handvoll Maßn ein. Zwei Mal Lewandowski (3. und 48., Vorarbeit jeweils Kimmich), einmal Perisic (73., Vorarbeit Coutinho) und ein Mal Coutinho (62., Vorarbeit Coutinho) sowie kein Mal für Köln nach Vorarbeit von niemand: eine eindeutige Bilanz. Trotz lediglich „72 Stunden Regeneration“, wie Bayern-Trainer Kovac über- bzw. untertrieb. (Denn es waren tatsächlich sogar nur 64 ¾ Stunden zwischen CL-Abpfiff und BL-Anpfiff.)

Dass dabei das Bayern-Spiel ab etwa der 20. Minute (Kovac erneut über- bzw. untertreibend „ab der 30. Minute“) in Langsamkeit und Zerfahrenheit verfiel und Köln munter zu kombinieren vermochte, mag nicht nur der geringen Erholungszeit, sondern auch der Personen- und Positionen-Rotation innerhalb des Teams geschuldet sein. Das 1:1 gelang den Domstädtern dennoch nicht. „Um gegen Bayern ein Tor zu erzielen“, gab sich Köln-Coach Achim Beierlorzer realistisch, „braucht es schon einen Schuss an die Schulter von jemand und dass er von dort ins Netz hüpft“. Wie es zu Saisonbeginn Hertha BSC in München gelang.

„In der zweiten Halbzeit war es wieder besser“, lobte Kovac, „und wir konnten weitere Chancen kreieren.“ Auch deshalb, weil Köln ab der 59. Minute nur noch zu zehnt agierte – Kingsley Ehizibue war nach einem Foul an Coutinho, das eine klare Torchance verhinderte, mit der Roten Karte bedacht worden. Den dazu fälligen Elfmeter verwandelte NICHT wie sonst üblich Lewandowski – sondern der Gefoulte selbst. Denn der Pole hatte sich zwar den Ball geschnappt – war damit aber zu Coutinho gelaufen, um ihm die Kugel zur Ausführung in die Arme zu drücken.
„Das war eine spontane Aktion“, so Lewandowski im Sky-Interview. „Für Philippe war es wichtig, das erste Tor für uns zu schießen, noch dazu in der Allianz Arena.“ Außerdem sei er „ein großer Spieler. Und wir müssen als Mannschaft gemeinsam nach vorne schauen und den Mitspielern helfen.”
Der große Spieler Coutinho misst zwar nur 1,72 Meter und ist damit Bayerns Kleinster, aber „er macht den Unterschied“, anerkannte bei der anschließenden Pressekonferenz Niko Kovac. „Wenn er den Ball annimmt, weiß er genau, was um ihm herum passiert. Er hat ein Ball- und Raumgefühl wie kein Zweiter in der Bundesliga.“ Mit diesem Können ziehe er gegnerische Spieler an – wodurch wiederum Bayern-Kicker plötzlich frei stünden. „Das macht uns gefährlicher.“
Was auch Lewandowski ganz genau wisse. „Er wird von Philippe noch so oft in Szene gesetzt werden, dass er ihm den Elfer gerne schenken konnte. Mich freut es jedenfalls, dass die Jungs sich sehr gut verstehen.“ Wozu der brasilianische Ex-Liverpooler Coutinho auf Englisch ausführte: „Robert ist ein unglaublicher Spieler – er hätte den Hat-trick erzielen können. Stattdessen ließ er mich den Elfer schießen. Ich konnte mich nur bedanken bei ihm…“

Jupp Suttner

DING (super): Dass der FC Bayern nach 25 Jahren endlich mal wieder zur Wiesnzeit in München gegen Köln gewann.

DANG (auch nicht schlecht): Dass Lewandowski sich so um Coutinho kümmert – auch wenn jener die Elfer-Geste nun mit vielen, vielen feinen Pässen auf den Polen zurückzahlen muss.

DOOOOOONG (beruhigend): Dass Kimmich trotz der ständigen Rochade zwischen Mittelfeld und rechter Außenbahn beständig Torvorlagen liefert.

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