Die FC Bayern-DING DANG DONG-Kolumne von Jupp Suttner: MIA SAN MIA – UND VERSCHÜTTEN GERNE BIER

JUPP SUTTNERs FC BAYERN-KOLUMNE:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

 

FC Bayern-Borussia Dortmund 3:1 (2:0)

 

MIA SAN MIA – UND VERSCHÜTTEN GERNE BIER

 

Um 19.29 Uhr begann die wilde Jagd. Die Weißbier-Jagd. Der Blattschuss wurde dabei von Benjamin Pavard gesetzt: Er war es, der das erste Glas über Trainer Julian Nagelsmann leerte. Es folgten noch zahllose Überschüttungen – die Bayern-Spieler gebärdeten sich, als wären sie eben zum zehnten Mal hintereinander Deutscher Meister geworden!

 

Ach so – wurden sie ja. Vorzeitig. Mit einem 3:1 über Borussia Dortmund. Den vermutlichen Vize-Meister.

 

Mit Google Maps erscheint das deutsche Classico ja sogar als Lokalderby vorstellbar. Man muss sich nur weit genug ins Weltall hinaufzoomen, um diese Perspektive zu erhalten.

 

Doch aus der realistischen Nähe betrachtet, befindet sich Dortmund in manchen Jahren unendlich weit von München entfernt.

 

Nicht, dass der BVB deshalb gleich hinter dem Mond liegen würde im Vergleich mit dem FCB – aber irgendwie besteht kein Anlass, daran zu zweifeln, dass die Münchner sich auch ein 11. Mal Weißbier über die Schädel schütten werden. Höchstens Lewandowski geht und Müller geht und Gnabry geht und Neuer geht.

 

„Ich vertraue auf die Arbeit von Hasan und Ollie“, so Nagelsmann gestern bei Sky. Und zumindest zwei des Quartetts würden nach jeweiliger Bekundung gleich nach Schlusspfiff gerne bleiben:

 

Thomas Müller („Vom heutigen Gefühl her ist es schwierig, weg zu gehen“) und Manuel Neuer („Ich fühle mich hier sehr wohl und glaube, dass wir eine Mannschaft mit Potential haben, um in der Champions League mitzuspielen. Und das ist mir das Wichtigste…“

 

Das Wichtigste des Tages freilich war, den unbedingten Trainer-Wunsch zu erfüllen und „den Titel heute mit einem Sieg im vollen Stadion klar zu machen.“ Als kleines Seelenbalsamchen für die Pleiten gegen Gladbach und Villareal. Vor allem Letzteres: ein unauslöschbarer Dorn. Nur einen der drei großen möglichen Titel gewonnen und damit nur ein Drittel eines Triples geschafft zu haben – das fühlt sich für Bayern an wie alkoholfreies Weißbier: Lässt sich zwar auch gut über Menschen schütten – aber besitzt keine wirklich berauschende Wirkung.

 

Wie tief der Champions League-Nagel bei Nagelsmann sitzt, brach etwa eine Stunde nach dem Samstags-Sieg aus ihm hervor: „Von zehn Heimspielen gegen Villareal gewinnen wir neun! Und ausgerechnet in diesem…“ ging es nur Unentschieden aus. Da hätte dann eine Woche lang „extreme Tristesse“ im Team geherrscht.

 

Eine Niedergeschlagenheit, von welcher die FCB-Anhänger nun jedoch nichts mehr wissen wollten. Bereits in der 87. Minute sang die gesamte Arena mit Ausnahme jener, deren bevorzugte Farbe Gelb ist:

 

„Oooohhhh, wie ist das schöööön,

Oooohhhh, wie ist das schöööön,

sowas hat man laaaange nicht gesehn…“

 

Stimmt. Eine ganze Saison lang hat man sowas nicht mehr gesehen. Und zuvor: gleichfalls eine ganze Saison lang nicht. Und zuvor…

 

Zahn Jahre lang hat man es immer wieder gesehen, das so wunderbar Schöööööne für die Münchner.

 

Aber für 2022/23 ist klar: schön scheint zu wenig. Felix Magath musste bei Bayern einst gehen, obwohl er zwei Mal hintereinander das nationale Double holte. Und Nerlinger musste 2012/13 als Manager gehen, weil international nichts zusammen ging. SPORT-Bild-Chefredakteur Henning Feindt jedenfalls zündelte bereits in der Mittwochs-Ausgabe in seinem Editorial, indem er ihm die Überschrift verlieh: „Eberl hätte alles, was Bayern gerade fehlt.“

 

Es darf angenommen werden, dass Salihamidzic den Autor jener Schlagzeile gerne mit einem vollen Glas übergießen würde. Jedoch nicht gefüllt mit Weißbier, sondern mit Eiswasser.

 

Die Weißbier-Mädels stehen schon bereit – während die FC Bayern-Spieler noch die Südkurve grüßen…

 

„In der Meisterschaft“, so Nagelsmann ins ZDF-Mikrophon, „haben wir glaube ich viel richtig gemacht.“ Und offerierte grinsend das für den Samstags-Gebrauch längst vorfabrizierte T-shirt mit der 10 vornedrauf. Und zwar so, dass er es zusammenfaltete – es war lediglich eine 1 zu sehen. Nagelmanns 1. Titel bei den Erwachsenen.

 

Und natürlich wird es ihm nicht wie Quälix Magath einst ergehen – denn sein 5-Jahresvertrag (Salihamidzic am Sonntag dann in einer Sky-Talkshow: „Julian ist das größte Trainertalent der Welt!“) zielt darauf ab, beim FC Bayern etwas Nachhaltiges aufzubauen. Und zwar unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der FC Bayern finanziell kaum noch mithalten kann, sobald auch die von Scheichs alimentierten Clubs ihr Interesse an einem bestimmten Spieler bekunden.

 

„Wir haben sinkende Einnahmen“, gesteht Salihamidzic, „und steigende Gehälter. Und wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen.“  Es muss ein eigener Weg gefunden werden – der durchaus bedeutet, dass unter Umständen CL-mäßig kleinere Brötchen gebacken werden müssen. Was Thomas Müller jedoch kaum schert:

 

„Es ist immer wieder das Schönste, Deutscher Meister zu werden. Die Champions League ist natürlich das Sahnehäubchen – aber die Bundesliga ist das, wofür die Fans ins Stadion gehen!“.

 

Vielleicht jedoch wird man der Geldströme wegen jedoch Lewandowski nicht halten können, der die abendliche Team-Meisterfeier angeblich bereits nach einer Stunde verlassen haben soll. „Lewa genießt die größte Wertschätzung im Verein, im Team und bei den Fans, die es geben kann“, so Salihamidzic. „Er ist unser Top-Mann und Top-Verdiener. Und ich bin stolz darauf, dass er bei uns ist, denn er ist ja der beste Stürmer der Welt. Aber ich glaube, das muss man dem FC Bayern zugestehen, dass wir uns Fragen stellen wie: Wie weit kommen wir? Wie viel Geld haben wir?“

 

Werde Lewandowski dennoch nächste Saison bei Bayern spielen? Salihamidzics klare Antwort: „Ja!“. Denn des Goalgetters Vertrag laufe bis 2023. Und der Bayern-Manager nickt, als er gefragt wird, ob man Lewandowski – für den man jetzt vermutlich noch 40 Millionen Euro kassieren könnte – 2023 dann eben ohne Ablösesumme ziehen lassen müsse. Hauptsache, man habe ihn noch eine weitere Saison in den Münchner Reihen.

 

Was übrigens rein rechnerisch KEINEN Verlust für den FCB bedeutet, denn der Pole kam 2013/14 ja auch ohne jegliche Ablösegebühr zum FC Bayern (von Dortmund). Und lieferte seitdem eine Top-Saison nach der anderen ab. Das vielleicht beste FCB-Geschäft des bisherigen Jahrhunderts.

 

Längst hat beim 10er-Meister die Vorbereitung auf die 11er-Erringung begonnen. Und vielleicht wird es 2022/23 ja spannender. Was sich selbst Philipp Lahm wünschen würde, denn „auch für Bayern ist es nicht gut, wenn sie immer schon so früh Meister sind“. Nagelsmann hingegen, der Premierenmeister, ist froh über die Frühzeitigkeit 2021/22:

 

„Das hätte schon noch einen Dämpfer gegeben, wenn es heute nicht geklappt hätte. Und man sollte sich den Titel auch nicht klein reden. Es wird extrem viel investiert, zum Beispiel in Leipzig, um uns klein zu kriegen.“

 

Aber bis es soweit ist, heißt es in München weiterhin:

 

„Mia san mia!“

 

Und verschütten gerne Bier.

 

DING (super): Dass die Bayern zum 10. Mal hintereinander Deutscher Meister geworden sind!

 

DANG (auch nicht schlecht): Dass Müller und Neuer nach dem Schlusspfiff am Samstag wahre Liebesbekenntnisse zum FCB abgelegt haben.

 

DOOOOOONG (beruhigend): Dass Lewandowski in der Saison 2022/23 vermutlich weiterhin beim FC Bayern spielt!

 

Hier der Video-Spielbericht des FC Bayern:

 

https://fcbayern.com/de/spiele/profis/bundesliga/2021-2022/fc-bayern-muenchen-borussia-dortmund-23-04-2022/spielbericht?utm_campaign=KW16_Meisterschaft__Mailing_1&utm_medium=Klub&utm_source=newsletter&utm_term=episerver

 

Und hier könnt ihr frühere DingDangDong-Kolumnen

lesen:

 

https://fussball-stories.de/category/kolumnen/fc-bayern-kolumne-ding-dang-dong/

 

 

 

 

Rate this post
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments