Die FC Bayern-Kolumne von Jupp Suttner: DING DANG DONG – Olli Kahn als Kavalier am Steuer

 JUPP SUTTNERs FC BAYERN-KOLUMNE:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

FC Bayern-SC Freiburg 2:1 (1:0)

 

Freiburgs Trainer Christian Streich über den FC Bayern:

 

„Ich kenn‘ mich nicht so aus mit

solchen Weltklassespielern – ich

habe noch nie solche Leute trainiert.“

 

 

Zwei Stunden vor dem Bayern-Freiburg-Match. Die Straße – im Schatten der Allianz Arena gelegen – weist an dieser Stelle keinen Zebrastreifen auf. Dennoch versucht ein junges Pärchen, sie zu überqueren. Mühsam. Bis ein eleganter Audi hält. Die beiden stiefeln hinüber – und brechen drüben in Jubel aus: „Hast Du gesehen, wer daaaas war!!!????!!!“, kreischt sie. „Jaaaa“, brüllt er zurück, „der Kaaaaahn!!!!!!“

 

Der Kahn war sofort weitergefahren. Hatte seinen HöflichkeitsImStraßenverkehrs-Job erledigt – ohne ein einziges Lächeln, ohne einen Blick nach links oder rechts. „Mann“, sagte sie, „hast Du bemerkt, wie deeeer angespannt war – eine hochrote Birne!“

 

Und einen zusammengekniffenen Mund, als ob er, der FC Bayern AG-Vorstandsvorsitzende, sich im Tunnel befände, weil er gleich ins Tor müsse wegen einer Neuer-Verletzung.

 

Vielleicht aber dachte er nur daran, dass er als Keeper in Freiburg vor 21 Jahren mal einen Golfball an den Schädel geworfen bekam.

 

Oder daran, dass die Breisgauer bisher nur 7 Gegentore erhalten hatten und sein FC Bayern bereits 10.

 

Oder daran, dass vielleicht schon wieder so ein doofes Banner im Stadion hängen würde, das den FCB kritisierte.

 

Oder daran, was es finanziell für seinen Verein bedeuten könnte, dass dieser Partie vermutlich wieder die ganze Welt zusehen würde im Fernsehen, von Alabama bis Zakopane.

 

Egal, ob der Titan das nun dachte oder nicht: die Welt konnte auf alle Fälle zufrieden sein. Sie sah ein kurzweiliges Spiel voller Könnern und Kämpfern auf beiden Seiten – Werbung der respektabelsten Art für die deutsche Bundesliga, voller Torchancen und kniffliger Flanken, voller Vollsprints und bissigsten Duellen: Dass der 1. gegen den 3. kickte und nicht der 10. gegen den 13. offenbarte sich absolut eindrucksvoll. So dass nicht nur die Welt auf ihre Kosten kam, sondern auch die Menschheit vor Ort:

 

„Ich kann Ihnen gar nicht sagen“, verkündete Stadionsprecher Lehmann, „wie ich mich freue, diese Zahl wieder einmal verkünden zu dürfen: 75 000 – ausverkauft!“ Und alle 75 000 in prächtigster Stimmung. Als sie vor Anpfiff „ÄffCeeeh Bay-an – for ever number one“ spielten und den Lautstärkeregler nach unten schoben, damit plötzlich nichts mehr zu hören war, so dass die Besucher auf den Rängen den Refrain a cappella singen mussten – sangen diese voller Lebens- und Tageslust in einer derart bemerkenswerten Lautstärke, dass es ein wahrlich fabelhaftes Fest für die Viren gewesen muss, derart intensiv aus vollsten Kehlen auf die Reise geschickt zu werden. Natürlich nur die GRIPPE-Viren und solches Zeugs, denn CORONA-Viren konnten ja dank 3 G eigentlich keine im Stadion gewesen sein.

 

Sorry für diese Albernheit – derlei hat ein Bericht über dieses gute Spiel, das Bayern 2:1 (1:0) gegen Freiburg gewann, wahrlich nicht verdient! Was vielleicht auch für ein Riesenplakat zutrifft, das in der Südkurve aufgezogen wurde und Bayerns Bosse Hainer und Kahn als Porträts zeigten sowie den Schriftzug „Für Geld waschen wir alles rein.“ Ein Protest gegen Münchens Qatar-Kooperation. Was denkt man sich als Trainer während des Spiels, wenn man so etwas sieht? Nagelsmann:

 

„Ich sehe, dass da was hängt und frage mich, wie die Leute dahinter was sehen können.“ Es muss eine schreckliche Vorstellung für ihn sein, bei einem Spitzen-Fight im Stadion zu sein und diesen – wenn auch nur ein paar Minuten lang – nicht verfolgen zu können.

 

Seine Bilanz zum Match selbst: „Wir hatten zwar viele Chancen, aber keine so klaren wie in den letzten Spielen.“ Und Freiburgs Trainer Christian Streich: „Die Bayern haben Vollgas gespielt und uns ernst genommen. Zu Recht. Aber das 1:2 ist verdient.“ Auf seine etwas unfröhliche Miene angesprochen:

 

„Wir haben verloren und ich habe selten Freude, wenn wir verlieren. Aber mit dem Spiel bin ich zufrieden. Die Mannschaft hat alles gegeben, ist das ganze Spiel über mutig gewesen – klar, dass es dann Räume für die Bayern gibt.“

 

Räume, welche das 1:0 durch Goretzka (30.) und das 2:0 durch Lewandowski (75.) ermöglichten. In der 93. Minute folgte kurz vor Torschluss das Freiburger Tor durch Janik Haberer. „Schade“, befand Streich, „dass wir das 1:2 nicht früher erzielt haben!“ Nagelsmann, grinsend: „Und ich bin froh, dass das Gegentor so spät gefallen ist!“

 

Was er denn von der These „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive die Meisterschaft!“ halte, wurde der SC-Coach, der einst mit Sanés Vater in Freiburg im selben Team gekickt hatte, von einem Reporter gefragt. Ob die Bayern sie momentan nicht gerade auf den Kopf stellen würden, diese Behauptung?

 

„Wenn man eine Mannschaft hat wie der FC Bayern in dieser Besetzung, spielt man selbstverständlich offensiv. Und dann ergeben sich Räume für die Gegner. Aber ich sehe keine Alternative für Bayern, als offensiv zu spielen.“ Und fügte hinzu:

 

„Ich kenn‘ mich nicht so aus mit solchen Weltklassespielern, ich habe noch nie solche Leute trainiert.“ Und die Kunst als Trainer sei es dann eben, „dass du sie dazu bringst, dass sie verstehen, auch alles GEGEN den Ball zu tun und weite Wege zu gehen.“ Exakt dies hätten sowohl der Hansi Flick als auch der Julian Nagelsmann gut hingekriegt.

 

Streichs allerletztes Schlusswort schließlich galt der Forderung des Sky-Experten Didi Hamann, den raketenartig aufstrebenden Freiburger Stürmer Lucas Höler für die Nationalmannschaft zu nominieren: „Kümmert euch um Bayern und Dortmund“, fauchte da Streich, „und lasst die Freiburger Jungs in Ruhe!“.

 

Nicht so einfach – denn jene kennt jetzt die ganze Welt.

 

Jupp Suttner

 

 

DING (super): Dieses Wahnsinns-Tempo, wenn Davies, Sané oder Coman losziehen – unwiderstehlich!

 

DANG (auch nicht schlecht): Dass Bayern bereits vier Punkte Vorsprung auf Dortmund hat.

 

DOOOOONG (beruhigend): Dass Manuel Neuer auch mit 35 noch Weltklasse ist und dem FCB unzählige Punkte rettet.

 

 

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