Die FC Bayern-Kolumne von Jupp Suttner: DING DANG DONG FCB-Bielefeld: Kahn gratuliert Nagelsmann – “ein dreckiger Sieg ist wichtig!”

JUPP SUTTNERs FC BAYERN-KOLUMNE:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

  1. Ausgabe seit dem Kolumnen-Start im September 2014

 

Alle zu finden unter

 

https://fussball-stories.de/category/kolumnen/fc-bayern-kolumne-ding-dang-dong/

 

Nun aber zu heute:

 

FC Bayern-Arminia Bielefeld 1:0 ((0:0)

 

Oliver Kahn gratuliert Julian Nagelsmann:

 

„EIN DRECKIGER SIEG IST WICHTIG!“

 

Die Schlange war lang. Die Schlange der Menschen, die aus dem Parkhaus der Allianz Arena in den Innenbereich des Komplexes zu gelangen wünschten. Zuschauer an Zuschauer – um in punkto 2G+ kontrolliert werden zu können.120.000 !!!

 

Ach so, es waren nur 12.000. Aber die Organisation der Kontrolle geriet derart dilettantisch, dass sie nicht einmal bei 1.200 Wartenden funktioniert hätte. „Was nimmt man nicht alles auf sich…“, schüttelte ein Älterer im Lodenmantel über sich selbst den Kopf. Aber der FCB scheint es wert zu sein, 45 Minuten in Eiseskälte anzustehen. Die einzige Abwechslung des Lodenisten: „Do kimmt da Gegna!“, brummte er („Da kommt der Gegner“) – als der Bielefelder Bus um die Ecke bog.

 

Natürlich gab es durchaus schlaue Reporter, die sich an der Schlange vorbeidrückten und nach vorne eilten, sie seien der Arbeit wegen hier! Aber ebenso natürlich offenbarte keiner der Kerle, um WAS für eine Arbeit es sich handelte. Wer gibt heute angesichts einer grummelnden Menschenmenge schon freiwillig zum Besten, dass er von der Presse sei? So dumm sind nicht einmal wir Journalisten.

 

Wobei freilich die Frage in den Sinn sich schlängelt: Was IST Dummheit eigentlich? Heidi Kastner, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, hat es kürzlich in einem fabelhaften Interview mit der Süddeutschen Zeitung so erklärt: „Es ist die Tendenz, Fakten zu ignorieren“. Und: „Dumme Menschen verstehen sich nicht als Teil eines Gefüges, für sie kommen immer nur die eigenen Belange an erster Stelle.“

 

Sind die 86 von insgesamt rund 1.000 Bundesliga-Profis, die laut DLF-Boss Christian Seifert nicht geimpft sind, nun als dumm zu bezeichnen? Obwohl doch zumindest einer von ihnen sogar ein 1,7er-Abitur hingelegt hat (Kimmich)? Dummheit, meint besagte Psychiaterin, habe nichts mit Intelligenz zu tun. Dumm sei halt, wer Gefühle als Fakten betrachtet und Fakten vorwiegend gefühlig gegenüberstehe.

 

Robert Lewandowski jedenfalls ist schlau. Er hat gelernt, dass er um so größeren Erfolg hat, je intensiver er MIT DER MANNSCHAFT spielt statt nur an seine persönliche Privat-Einnetz-Bilanz zu denken. Was ihm allerdings dieses Mal nichts nützte – er blieb torlos. Was unter anderem daran lag, dass die Bielefelder besagten Bus direkt, nachdem man die Spieler entladen hatte, in den eigenen Strafraum fuhren und ihn dort quer vor dem Tor parkten. Einfach kein Durchkommen für die Münchner! Trotz besten Chancen!

 

Doch in der 71. Minute schließlich schlich sich Sané heran und ließ mit einem präzisen Schuss die Luft aus den Bus-Reifen. Ein Bielfelder Platten, den die Ostwestfalen bis zum Schlusspfiff nicht mehr zu reparieren in der Lage waren. Ihr Tribünen-Sprechchor „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ – der schon allein deshalb kurios erscheint, da die Arminia ja auf der Alm beheimatet ist – erlosch nach Sanés Sahnestück abrupt.

 

„Wir haben ein gutes Spiel gemacht“, bilanzierte Bayern-Coach Julian Nagelsmann hinterher auf der Pressekonferenz, „besser als gegen Augsburg“. Weil zu null. „Und weil wir nicht die Struktur verloren haben“, also die Disziplin beim Positionsspiel. „Ein stabiles Spiel“. Außerdem: „Wir hatten 22 oder 23 Torschüsse – und einer war drin.“ Was genügte: „Glückwunsch“, hatte Bayern-Leader Oliver Kahn nach Spielschluss zu Nagelsmann gesagt, „ein dreckiger 1:0-Sieg ist wichtig!“

 

Selbst bei angelaufener Brille wegen Maske war deutlich zu erkennen, dass Bayern zirka 127 % Ballbesitz besaß. Maske abnehmen – keine Chance. Aufmerksame Stewards rüffelten sofort jeden Zuschauer, der sich des Mundnasenschutzes entledigte. Und sogar der Stadionsprecher mahnte zum Tragen der Maske – wobei er beim Sprechen vermutlich keine trug.

 

Beim Thema Fußball und Masken denkt man natürlich auch sofort an die beiden Dortmunder Aubameyang und Reus, die im Winter 2015 beim Sieg gegen Schalke ihren Torjubel als Batman und Robin maskiert zelebrierten. Am kommenden Wochenende treffen die Dortmunder – inzwischen ohne Batman, aber noch mit Robin – auf die Bayern. Im Kampf um den 1. Rang. „Es war heute sehr wichtig für uns“, wusste Nagelsmann, „die Spitze zu verteidigen und als Tabellenführer beim BVB anzutreten.“ Der Coach war zufrieden.

 

Wie im übrigen auch Bielefelds Trainer Frank Kramer: „Insgesamt, finde ich, hat die Mannschaft das ganz gut gemacht.“

 

Richtig.

 

Vor allem der Busfahrer.

 

Jupp Suttner

 

DING (super): Dass der FC Bayern nach 71 Minuten wieder Tabellenführer war.

 

DANG (auch nicht schlecht): Dass Sané einfach nicht aufhört mit dem Rackern.

 

DOOOOONG (beruhigend): Dass nun fast alle des Kaders wieder an Bord sind.

 

 

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