DIE WM, DER WILLE UND DAS BAYERN-GEN oder WENN DIE WM UND DAS BAYERN-GEN MITEINANDER VERSCHMELZEN

17,09.14 | Champions League | FC Bayern – Mancester City | 1:0

Es war ein 0:0, das nicht hätte zu sein brauchen. Chancen boten sich den Bayern genügend. Doch wer sie vergibt, wird oftmals bestraft und verliert mit ein bisschen Pech die Partie sogar. Insofern war das 0:0…

Weiter kamen die Redaktionsschluss-eiligen Reporter, die fünf Minuten vor dem Ende diese Sätze in ihre Laptops hackten, nicht. Und eigentlich hätten sie ja wissen müssen, dass es ziemlich sinnlos ist, vor dem finalen Abpfiff ein Fazit über ein FC Bayern-Spiel zu ziehen. Denn irgend etwas kann bei den Münchnern immer noch passieren. Zum Beispiel ein 1:2 gegen Manchester United (1999). Oder ein 1:0 gegen Manchester City (2014). Erzielt von Jérome Boateng in der 90. Minute. Nie zuvor hat JB bei einer Champions League-Begegnung einen Treffer erzielt. Eine schöne Premiere, dieser Schuss am Mittwochabend.

„Dadurch haben wir den ersten Druck schon mal weg“, analysierte Thomas Müller hinterher. „So ein Sieg gleich im ersten Spiel, das gibt – wie wir bei der WM gesehen haben – einen richtigen Schub!“. Die WM. Sie ist immer noch da. Und vermischt sich nun mit dem Bayern-Gen. Dem unbedingten Willen. „Wir haben bis zum Schluss gehofft“, so Boateng, wobei er sich sogleich vor der Sky-Kamera korrigierte: „Wir haben bis zum Ende daran GEGLAUBT!“. Was nun wirklich etwas völlig anderes als simples Hoffen ist.

Manche betrachten besagtes Bayern-Gen ja einfach als simples Dusel. Und Boateng gestand, „dass es Glück war, dass mir der Ball direkt vor die Füße kommt und ich ihn genau getroffen habe.“ Aber vielleicht ist dieses genaue Den-Ball-treffen im Endeffekt ja doch kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Der Abwehrhüne hat sich seit Pep Guardiolas Dienstantritt in München enorm verbessert: Leichtsinnsfehler so gut wie abgestellt – und im offensiven Wirken zugelegt.

Ach ja, Pep: Hätte er statt des grauen Pullovers ein rotes Trikot getragen – jeder hätte ihn für einen Mitspieler gehalten. Er tänzelte an der Seitenlinie, warf bei Einwürfen seinen Bayern Bälle zu, wäre einmal fast mit einem ManCity-Spieler kollidiert, gestikulierte und dirigierte – und sprang nach dem Siegestreffer mit seiner Brust an jene des Schützen, brüllte Gesicht an Gesicht gemeinsam mit Boateng jubelnde Urschreie in die Münchner Sternennacht. Emotion pur. „Er lebt Fußball“, so Boateng, „das sieht man“.

Später hingegen, nach dem Schlusspfiff, sah man den Münchner Coach erschöpft auf seinem Sitzplatz nieder sinken. Als ob einem Duracell-Hasen der komplette  Batterie-Satz entnommen worden wäre. Doch nur für fünf Sekunden. Dann stand Guardiola schon wieder. Und lobte bald darauf sowohl sein Team („Wir haben gespielt in Posischn sehr, sehr gut“) als auch jenes des Gegners: „They have big, big, big players“. Und:

„Wir hatten durchaus das eine oder andere Problem mit der Ballkontrolle“, übersetzte ihn der Fernseh-Dolmetscher. „Wir haben deshalb hinten von drei auf vier umgestellt, dann sah es besser aus.“ Eine besondere Erwähnung ließ der Übungsleiter zwei Spielern zu kommen, die völlig überraschend in der Start-Elf standen: „Rafinha hat ein hervorragendes Spiel gemacht und auch Benatia. Die beiden haben ja lange nicht mehr gespielt. Aber an ihnen seht man – der Kopf macht den Unterschied aus.“

Sechs bis sieben Teams könnten die Champions League gewinnen, so Guardiolas Schlusswort bei der Pressekonferenz dieses Abends. Entscheiden wird im Endeffekt wohl der Wille. Auch wenn Thomas Müller, der einige Chancen gegen die Briten vergab, verkündete: „Du kannst nie garantieren, auch durch Willen nicht, dass man ein Tor macht“. Dann stutzte er und erkannte: „Aber dass dann eines so spät doch noch fällt – das hängt dann natürlich schon wieder mit dem Willen zusammen.“

Die Redaktionsschluss-eiligen Reporter werden es künftig bedenken. Der Wille dazu ist jedenfalls vorhanden.

 

Jupp Suttner

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