Die FC Bayern DING/DANG/DONG-Kolumne von Jupp Suttner: 11 TAGE VOLLER LEWANDOWSKISTERIE

 

JUPP SUTTNERs FC BAYERN-KOLUMNE:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

 

11 Tage voller Lewandowskisterie

 

 

Samstag, 3. September 2022:

 

Nach dem Heim-1:1-Unentschieden vor einer Woche gegen Borussia Mönchengladbach kommt der FC Bayern auch bei Union Berlin über ein 1:1 nicht hinaus. Wäre das mit Lewandowski vorne drin auch passiert?

 

Sonntag, 4. September:

 

Der FC Barcelona gewinnt 3:0 beim FC Sevilla. Natürlich erzielt auch Lewandowski einen Treffer.

 

Montag, 5. September:

 

Der FCB und der FCB bereiten sich intensiv auf ihre Champions League-Spiele vor. Lewy wird dabei übermorgen erstmals das CL-Dress seines neuen Klubs tragen.

 

Dienstag, 6. September:

 

Am Tag vor dem FCB & FCB-CL-Einstieg 2022/23 ist kurzes Durchatmen angesagt – am besten mit dem legendären und wunderbaren „Lewandowski-Song“-Video:

 

https://www.youtube.com/watch?v=jyfARgCE9qo

 

 

Mittwoch, 7. September:

 

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“ (Andy Möller) – ist nicht die Hauptsache für den FC Bayern, sondern ein respektabel ungefährdeter 2:0-Erfolg bei Inter Mailand (Italien). Deren Dzeko ist eben kein Lewandowski. Der wiederum schießt zu Hause drei Tore für Barca gegen Viktoria Pilsen.

 

PS: Andy Möller behauptet inzwischen, sich nicht mehr erinnern zu können, ob er das so gesagt habe. Ein Video des Spruches existiert jedenfalls nicht. Dafür jedoch folgendes von Andy Möller, welches seine These, dass er sich nicht mehr so recht erinnern könne, durchaus unterstützt:

 

https://www.youtube.com/watch?v=-n37QMWBF2I

 

Donnerstag, 8. September:

 

Nagelsmann verrät, dass man im Sommer als Lewy-Nachfolger gerne einen Mittelstürmer verpflichtet hätte, wenn einer der hochklassigen Art tiefpreisig hergegangen wäre. Doch der Markt sei leer gewesen.

 

Freitag, 9. September:

 

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann droht auf der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den Tabellen-12. VfB Stuttgart tags darauf in der Allianz Arena: „Wenn einer morgen die Handbremse anzieht, kann er am Dienstag die Parkbremse einlegen!“

 

Samstag, 10. September:

 

Ein spanischer Fernsehreporter kniet vor Robert Lewandowski. Also nicht direkt vor ihm persönlich – sondern vor einem überlebensgroßen Foto des Torjägers. Es hängt in den Katakomben der Münchner Allianz Arena.

 

Der TV-Mann lässt sich in dieser Pose filmen und spricht ins Mikrophon. Es muss etwas Ehrerbietiges sein, was er dabei von sich gibt. Vielleicht schildert er, dass in wenigen Tagen, am Dienstag, dieser Lewy hier auftauchen wird – hier, wo er immer noch eine Stadionwand ziert, obwohl der Abschied aus München doch mit etlichen Nickligkeiten versehen war.

Lewy in den Katakomben der Allianz Arena – links Thiago. (Foto der Wand: JuppSuttner)

 

Rund 90 Minuten später wird der spanische Journalist dann vermutlich berichtet haben: Dass die Bayern zum dritten Mal hintereinander in der Bundesliga nur Unentschieden gespielt hätten, gegen einen Verein, der in der Tabelle ziemlich weit unten rangiere – und dies, obwohl der FCB zwei Mal in Führung gelegen habe. Und ob dieses aus Münchner Sicht missglückte Match nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sei für den FC Barcelona:

 

Gut für Barca, weil die Bayern nun vielleicht verunsichert sind?

 

Schlecht für Barca, weil die Bayern sich nun in der Champions League ganz besonders intensiv am Riemen reißen würden?

 

Münchner Reporter tun sich da mit ihren Erkenntnissen einfacher:

 

Resultatsmäßig mäßiger als in der Bundesliga geht es für den FCB fast nicht mehr.

 

Aus der Anfangseuphorie vor wenigen Wochen ist eine halbe Depression geworden.

 

Und da können sie gegen Barcelona mit ihrem Lewandowski die Punkte bereits heute freiwillig abtreten.

 

Zugleich zürnt Thomas Müller am Spielfeldrand bei Sky:

 

„Über die Unentschieden gegen Gladbach und Union Berlin waren wir genervt. Aber jetzt sind wir erstmals richtig sauer – auf uns selbst.“

 

Sauer und genervt scheint auch Trainer Nagelsmann in der Pressekonferenz nach der Partie. Erkenntlich ist dieser Gemütszustand nicht an den Worten, die er findet – sondern an der Art, wie er sie von sich gibt. Wie er Fragen („Was bedeutet das für die nächsten Wochen?“) einfach ignoriert, wie er seine Sätze in einer Mischung aus Zurückhaltung und Trotz einfach monoton aus sich gleiten lässt, als sei er eine Maschine. Und damit beweist, dass er eben keine Maschine, sondern ein Mensch ist, dem irgendwann einfach keine flapsigen, lässig-coolen Statements mehr in den Sinn geraten.

 

Wir würden ihn gerne fragen, ob er sich vielleicht beim Rotieren in der 2. Halbzeit etwas verzockt habe mit den Aus- und Einwechslungen, denn der FCB hatte mit seinem plötzlich nicht mehr vorhandenem Rhythmus und dafür vorhandener (Nach-)Lässigkeit ab der 75. Minute um ein Gegentor geradezu gebettelt. Aber keiner von uns Reportern im Pressesaal wagt es, diese Frage zu stellen.

 

Und man denkt dann halt doch ein bisschen an Nagelsmanns Freitags-Statement in punkto Handbremse und Parkbremse. Wer der heute kickenden wird sich am Dienstag auf dem Parkplatz statt in der Startelf finden?

 

Garantiert auflaufen wird am Dienstag Robert Lewandowski.

 

Sonntag, 11. September:

 

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

 

Die Redaktion von www.Fussball-Stories.de

verfasst folgendes Ding/Dang/Dong zu diesem Wochenende Match:

 

DING (super): Dass die Bayern trotz des kläglichen Unentschiedens gegen Stuttgart in der Bundesliga-Tabelle nicht etwa zurückfallen, sondern weiterhin Dritter sind. Nunmehr hinter Union Berlin und dem SC Freiburg. (Statt wie vor dem Spieltag hinter Freiburg und Dortmund.)

 

DANG (auch nicht schlecht): Dass es immer noch genügend Bayern-Fans gibt, die Lewandowskis Verdienste um den FCB nicht vergessen haben und weiterhin sein Trikot auf den Tribünen der Allianz Arena tragen.

 

DOOOOOONG (beruhigend): Dass Lewandowski in der spanischen Liga nur ein einziges Tor beim 4:0-Sieg gegen den Tabellenletzten Cadiz erzielt hat. Und des Weiteren beruhigend: Dass laut Münchner Abendzeitung der Datendienstleister Opta einen Weg gefunden habe, übermorgen Lewy auszuschalten – mittels „low block“. Letzteres bedeutet: Der FC Bayern müsse sich nur hinten reinstellen.

 

Sozusagen DUUUUUUUNG (eher mau als gut) fallen die Spieler-Noten der Münchner AZ und der tz zum gestrigen Spiel auf deren Websites aus:

 

Bei beiden gibt es die Note 2 für Tel und Musiala.

 

Bei beiden gibt es die Note 3 für Mazraoui, und Davies.

 

Bei beiden gibt es die Note 4 für de Light, Goretzka und Müller.

 

Unterschiedlich gesehen werden:

 

Neuer (AZ 4, tz 3)

Kimmich (AZ 5, tz 3)

Gnabry (AZ 5, tz 4).

 

Die 1 und die 6 werden an niemand vergeben.

 

Und welche Noten hat es für Barcelona bei der in Madrid erscheinenden spanischen Sportzeitung MARCA, die täglich rund 2 Millionen Leser/innen erreicht, gesetzt?

 

Nun – ** von *** möglichen Sternen gibt es für Trainer Xavi. (Wie viele Sterne hätte Nagelsmann für das VfB-Spiel erhalten?)

 

Und bei den Spielern erreichen jene ** Sterne Aurauo, De Jong, Busquets, Gavi, Dembélé – sowie natürlich Lewandowski.

 

 

Montag, 11. September:

 

Die Süddeutsche Zeitung ironisiert über den schlechtesten Bayern-Bundesliga-Start seit zwölf Jahren (nach dem 6. Spieltag) und den vergebenen Chancen: „Ätschbätsch, der Lewandowski vergibt solche Chancen aber nicht!“

 

Und Stefan Effenberg prophezeit in seiner Sport 1-Kolumne:

 

„Jetzt kommt es zum Duell mit dem FC Barcelona und Wiedersehen mit Robert Lewandowski. Das wird eine große Herausforderung. Ich sage es mal so: Die Chancen, die Bayern zuletzt ausgelassen hat, die wird Lewandowski ausnutzen.“

 

Dienstag, 12 September:

 

Eine Radiomoderatorin von Bayern 1 hofft am Nachmittag, dass Thomas Müller – der heute 33 wird – an seinem Geburtstag den Ball nicht etwa zu Lewandowski passt, wie so oft während ihrer gemeinsamen Bayern- Zeit. Radio Müller zur Radio-Frage, wie man Lewy empfangen werde: „Hart aber herzlich!“.

Heute muss in der Allianz Arena bei Bayern-Barca im Pressezentrum auf Anordnung der UEFA Maske getragen werden – hier ein unbekannter, aber mustergültiger, Kollege, der dies für ein Selfie demonstriert.

 

Kein Mensch sagt heute übrigens, er gehe abends zu den Bayern oder zu Barcelona. Jede/r sagt: „Heute Abend gehe ich zu Lewandowski!“ Und als wir zu ihm in die Arena gehen, checken wir als Erstes, ob er immer noch an der Wand hängt wie letzten Samstag.

 

Er hängt. Und wird hoffentlich sein Leben lang dort platziert sein ob der Verdienste, die er dem Verein gebracht hat: 100 000 Tore, null Euro Ablösesumme beim Einkauf, 45 Millionen Euro Einnahme beim Verkauf. Etwa 90 Minuten vor Anpfiff dringen schrille Pfiffe von den Tribünen bis ins Innere der Arena. Anscheinend hat Lewy den Rasen betreten. Bei der Mannschaftsverkündung dann bewegen sich Pfiffe und Beklatschung gegen bzw. für ihn privatgeschätzt bei 60:40. Nagelsmann kurz darauf ins Prime-Mikro: “Lewy ist im Strafraum der beste Stürmer der Welt. Man sollte immer ehemalige Mitarbeiter, egal in welcher Position und in welcher tragenden Rolle, sympathisch empfangen.”

 

In der 17. Minute besitzt er eine Großchance, drischt jedoch über das Tor. 21. Minute zweite Großchance – doch Neuer hält seinen Kopfball ausgesprochen reaktionsschnell. Und das Match? Ein temperamentvolles Spiel mit etlichen Chancen und Fast-Chancen für beide Teams, bei denen oft nur Zentimeter zum Gelingen des entscheidenden letzten Passes fehlen. Barca ist technisch gewandter, Bayern kampfkräftiger. Was sich in der zweiten Spielhälfte dann in zwei Treffern durch Hernandez (Kopfball 51. Minute) und Sané (wieder mal ein Extra-Sahnestück von ihm, 54.) niederschlägt.

 

Das begeisternde Match könnte auch eine Viertelfinal-Partie des nächsten Frühjahrs sein – voller Klasse und Energie. In der 78. Minute wird Lewy bei der Ausführung eines Freistoßes aus 18 Metern gnadenlos ausgepfiffen. Der Ball geht drüber. Lewandowski bleibt an diesem Abend torlos und fügt seinen neun Treffern in den bisherigen sechs Partien für Barca keinen weiteren hinzu.

 

Und wie hat Lewy Ihrer Meinung nach heute gespielt, Herr Nagelsmann? „Er hat ein gutes Spiel gemacht, aber wir hatten ihn gut im Griff. Und diese Frage ist mir seit Abpfiff heute Abend inzwischen etwa 65 x gestellt worden und ich möchte dazu nur sagen, dass er jetzt bei einem anderen Verein spielt und ich mich um die meinen kümmern muss.“

 

Und nicht um Lewandowski.

 

Doch die Frage wird ihm erneut rund 65 Mal gestellt werden. Nach dem Rückspiel in Barcelona in einigen Wochen.

 

DING (super): Dass die Bayern die beiden internationalen Championsleague-Herausforderungen gegen Mailand und Barcelona jeweils mit 2:0 für sich entschieden,

 

DANG (auch nicht schlecht): Dass sie dabei jeweils zu null spielten!

 

DOOOOOONG (beruhigend): Dass man manche Sachen einfach nicht erzwingen kann. „Wieso, Herr Nagelsmann, nützt Ihre Mannschaft in der Champions League die Chancen besser als in der Bundesliga?“ Der Bayern-Coach: „Da gibt es keine Erklärung. Entweder man macht die Chancen oder man macht sie nicht.“

 

Jupp Suttner

 

Und hier findet ihr – aus dem FC Bayern-Newsletter – kostenlos die besten Szenen des Spiels:

https://fcbayern.com/de/news/2022/09/fc-bayern—fc-barcelona-die-kostenfreie-zusammenfassung-des-champions-league-spiels?utm_campaign=KW37_NB_Barca__Mailing_1&utm_medium=Klub&utm_source=newsletter&utm_term=episerver

 

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