Ein Abt muss Abbitte leisten beim FC Bayern

FC Bayern - Borussia Dortmund | 4:0 (1:0)

München, Allianz Arena, 09.11.2019 

Gerne tritt der Mensch auf Menschen, die am Boden liegen. Und gießt noch einen Kübel Spott über sie. Wer derlei agiert, sollte diese seine Sünde am besten beichten und nach der Absolution ein neues Leben beginnen. Im Katholizismus ist derlei möglich. Sogar für so hohe Würdenträger wie es etwa der Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München bekleidet. Er heißt Johannes Eckert und glaubte letzten Mittwochvormittag witzig sein zu müssen, indem er im Rahmen seiner Festpredigt zur berühmten Leonhardifahrt in Bad Tölz den FCB und den TSV 1860 verspottete. Beide würden ein Fahrrad geschenkt bekommen, so der hohe Kirchenmann. Denn: „Die Bayern müssen das Absteigen lernen und die Löwen das Aufsteigen“.

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

Die aktuelle FC Bayern-Kolumne
von Jupp Suttner

Nun, wenn die „Roten“ so weiter machen wie beim 4:0 gegen Borussia Dortmund – lernen sie das Absteigen nie. Die „Blauen“ hingegen nach einem 1:0 beim haushohen Favoriten Halle vielleicht das Aufsteigen tatsächlich.

Jenes 4:0 (2 x Lewandowski, 1 x Gnabry, 1 x Mats Hummels Eigentor) verdient nur eine Überschrift: „Das Imperium schlägt zurück.“ Die Bayern offenbarten sich bissiger, flinker, schlichtweg famoser als die lahmen Dortmunder. Deren Trainer Lucien Favre auf der Pressekonferenz: „Eine sehr, sehr schwache Leistung. Wir können hier zwar verlieren. Aber die Art und Weise – das war zu wenig.“

Und sein Bezwinger Hansi Flick – was war der entscheidende Trick, in der Offensive vier Tore zu erzielen? „Die Defensive. Dass alle gemeinsam mutig nach vorne verteidigten. Auch mit dem Risiko, dass man ausgespielt wird – aber da muss dann schon der nächste parat stehen.“ Teamwork. Denn Balleroberungen „fördern das Selbstvertrauen“. Und Selbstvertrauen, wer wüsste es nicht, ist die halbe Miete für einen ganzen Coup.

„Wir haben den Fußball gespielt“, so Flick, „den die Zuschauer gewohnt sind. Die Mannschaft ist einfach zu loben.“ So wie er wiederum vom FC Bayern-AG-Vorstandsvorsitzenden n Karl-Heinz Rummenigge gelobt wurde: „Wir müssen nun unaufgeregt weitermachen, Hansi das Vertrauen geben. Ich habe den Eindruck, er macht das ganz gut.“ Jedenfalls kann Uli Hoeneß („Das war eine Demonstration!“) nun seinen Abschied als Präsident bei der Hauptversammlung in wenigen Tagen als Triumphmarsch inszenieren. Ein Triumph, dieser Kantersieg, auch für die Zukunft von Flick (54) als Bayern-Coach? Der ehemalige FCB-Spieler: „Es geht nicht um meine Person, sondern um die Mannschaft. Ich habe einen Arbeitsvertrag als Assistenztrainer bis 2021. Was soll ich mir da Gedanken machen?“

Eine imponierende Unaufdringlichkeit, die Flick da an den Tag legt. Er lässt statt Worten lieber Resultate sprechen: 2 Spiele, 6 Tore, 0 Gegentreffer. Die Bayern fahren nun sozusagen wieder, um es kirchlich auszudrücken, auf dem Hochrad.

Abt Eckert hingegen scheint nun gezwungen, zu Fuß zu gehen. Nach Canossa. Welches in diesem Fall an Münchens Säbener Straße 51 liegt, dem Sitz des FC Bayern.

Jupp Suttner 

DING (super): Dass der FC Bayern unter Hansi Flick plötzlich wieder dem FCB gemäßen Fußball spielt

DANG (auch nicht schlecht): Dass Robert Lewandowski als erster Kicker der Bundesligageschichte in allen zehn Partien seit Beginn der Saison mindestens einen Treffer erzielt hat.

DOOOOOONG (beruhigend): Dass der FC Bayern Anschluss an die Bundesliga-Tabellenspitze hält.

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