Das Phantom-Tor des FC Bayern

Sonntag, 28. April 2019, 18.00 Uhr, Auswärts-Match beim 1. FC Nürnberg by Jupp Suttner

Sonntag, 28. April 2019, 18.00 Uhr, Auswärts-Match beim 1. FC Nürnberg

by Jupp Suttner

 

D er Elfer wird noch lange Zeit die Bremer beschäftigen. (Die Bayern weniger.) Genau – DER Elfer. Der Mittwochpokalelfer. Es existieren ja sogar Elfer, die jahrzehntelang im Gedächtnis haften bleiben. Ein Wort genügt („Kutzop“) – und alle wissen Bescheid. (Na ja, die nach dem 22. April 1986 Geborenen vielleicht nicht. Jenen Youngstern ins Wissens-Depot folgender Ausschnitt aus Kutzop/Wikipedia:)

„Kutzop verschoss einen der berühmtesten Elfmeter der Bundesligageschichte, als er in der 88. Minute der Partie Werder Bremen gegen den FC Bayern München am 33. Spieltag der Saison 1985/86 den Ball an den rechten Pfosten schoss und mit seiner Mannschaft dadurch die vorzeitige Entscheidung in der Meisterschaft verpasste. Am letzten Spieltag sicherte sich dann Bayern München durch einen 6:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach mit der besseren Tordifferenz den Titel, da Werder gleichzeitig in Stuttgart gegen den in der Hinrunde mit 6:0 besiegten VfB Stuttgart mit 1:2 verlor. Dieser Elfmeter sollte der einzige verschossene von 40 Strafstößen in Kutzops Bundesligazeit bleiben.“

Ebenso für ewig in Erinnerung wird – womit wir zum Bundesliga-Match des FC Bayern am Sonntag in Nürnberg kommen – das Nicht-Tor von Thomas Helmer bleiben, das er am 23. April 1994 im Münchner Olympiastadion gegen den Club (nicht) erzielte: Er schwurbelte den Ball irgendwie am Tor VORBEI – doch Schiedsrichter Osmers entschied: der war drin! Der FCB siegte 2:1, doch das Match wurde annulliert und wiederholt, wo es dann ein 5:0 des Helmer-Teams setzte.

Vor fünf Tagen feierte dieses als „Phantom-Tor“ in die Bundesligageschichte eingegangene Kuriosum sein 25jähriges Jubiläum. Und wenn eines sicher ist für die Partie am Sonntag: Ein derartiges Missgeschick kann einem Schiedsrichter der Jetzt-Zeit dank Video-Beweis nicht mehr passieren.

So wie gleichfalls sicher ist: dass das Pokalspiel vom Mittwoch NICHT annulliert und wiederholt wird.

Jupp Suttner

 

Und hier, wie es in der Bundesliga-Vorrunde im Dezember 2018 zwischen dem FCB und dem 1. FCN lief:

 

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

 

FC Bayern-1. FC Nürnberg 3:0 (2:0)

 KEINE CHANCE FÜR DIE ZIPFELMÜTZEN-MAFIA

In Altbaiern existiert seit Urzeiten folgende Regel:

„Die mim Huat san guat.

Die mim Kappe san dappe.

Und die mit da Zipfemützn – konnst sauba blitzn.“

Die mit dem Hut sind gut.

Die mit der Kappe sind deppert.

Und die mit der Zipfelmütze kann man sauber blitzen.

Da Franken nicht zu Altbaiern zählt, wussten die Fans des 1. FC Nürnberg natürlich nichts von dieser Weisheit und gedachten, als Weihnachtsmänner eine spezielle Zipfelmützen-Performance zu kreieren. Und zwar vor der Allianz Arena und vor Anpfiff noch. Bedauerlicherweise musste „Die Zipfelmützen-Mafia“ (so ein Buchtitel der 70er Jahre) grollend vernehmen, dass dieses Event von Münchner Behördenseite aus verboten wurde – aus bautechnischen Gründen, wie es hieß. Womit nicht die Zipfelmützen oder das Darunter als gefährlich eingestuft wurde, sondern die durch den Auflauf entstehende Menge der Leute auf einem Haufen.

Womit wir beim Spiel angelangt wären, in welchem es den Nürnbergern durchaus gestattet war, sich zu einem dichten Haufen Leute zu formieren. Und zwar im eigenen Strafraum. Kein schlechter Plan dies für jemand, der in dieser Saison bei Auswärts-Matches bereits mehrmals Hoch:0 abgeschossen wurde. Safety first, so die Zipfelmützen-Devise.

Doch nach bereits rund 500 Sekunden platzte dieser Plan – durch das 1:0 von Lewandowski. Jetzt würden sie ja doch herausrücken müssen, die Clubberer. Taten sie aber nicht. Vielleicht einesteils aus Angst – aber andererseits auch deshalb, weil der schlank, frisch und agil kickende FC Bayern die Nürnberger einfach einschnürte.

So legte Lewandowski in der 27. Minuten mit dem 2:0 nach und auch nach dem 0:3, das ihnen Ribéry einschenkte, blieben die Gäste lieber zu Hause, maximal 16 m von der Torlinie entfernt. Defensiv, mutlos, arglos, harmlos – als stünde ihnen ein Tabellenführer gegenüber. Dabei sind die Bayern doch neun Punkte von der Spitze entfernt. Geht vielleicht trotzdem noch was? Bayern-Coach Niko Kovac bei der Pressekonferenz zu dieser Frage:

„Dortmund macht zur Zeit keine Fehler. Leipzig, Gladbach und wir können da nur auf Ausrutscher hoffen. Es bringt uns deshalb nichts, nach vorne zu schauen, sondern wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben machen.“

Was dieses Mal gut gelang, ehe nach den drei Siegen gegen Benifica, Bremen und Nürnberg nun in der Champions League am Mittwoch ein wahrer Prüfsein wartet – Ajax in Amsterdam. „Die werden uns alles abverlangen“, so Kovac, „aber wir sind zuversichtlich. Weil die Mannschaft immer mehr Strukturen aufweist und immer mehr Abläufe verinnerlicht hat.“

Wenn schon den Nürnberger Zipfelmützlern ihr Fan-Happening verweigert wurde, so setzte dafür die Südkurve des FC Bayern eines in Gang – als sich plötzlich wie in einem weißen Feuerwerk Unmengen von Klo-Rollen bis in den Strafraum hinein ergossen. In den Club-Strafraum. Vermutlich gedacht als sanitäre Hilfe, da die Nürnberger doch die Hosen gestrichen voll hatten.

Jupp Suttner

 

DING (super): Dass Trainer Kovac es anscheinend schafft, dem FC Bayern doch noch eine Struktur zu verleihen.

DANG (auch nicht schlecht): Dass mit Ajax Amsterdam am Mittwoch ein guter Maßstab kommt.

DOOOOOONG (beruhigend): Dass Lewandowski zwar immer wieder todsichere Chancen vergibt – dafür als Ausgleich jedoch stets schwierigste Gelegenheiten artistisch verwandelt.

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