Können Helden weinen ?!

Die Frage an sich ist eigentlich schon falsch gestellt. Helden sind Menschen. Und Menschen können weinen, das wissen wir alle. Nur Götter weinen nicht. Vermutlich, denn ich habe noch nicht ausreichend viele getroffen um eine qualifizierte Aussage darüber zu stellen. Ich könnte es mir aber gut vorstellen. Wer alles kann und nichts dafür tun muss und ohnehin als unfehlbar gilt, hat im allgemeinen wenig Grund zu weinen. Allerdings habe ich genügend Phantasie um mir vorzustellen, dass es auch in den unzähligen Götter-Hallen dieser Welt irgendwelche göttliche Heulsusen gibt, die auch noch darüber weinen, dass sie unfehlbar sind.

Was hat das nun alles mit Sport zu tun?
Wenn Helden Menschen sind und weinen können, stellt sich vielmehr die Frage “dürfen” Helden weinen. Sachlich betrachtet JA. Nur darf der Held, der ja vor allem deshalb geliebt wird, weil er eben nicht weint, nicht einfach SO weinen. Der Held ist dazu verdammt zu kämpfen und mit unermüdlichem Qualen jene Dinge zu erreichen, die dem Normalsterblichen allein schon deshalb verwehrt bleiben, weil er sich eben nicht (so) quält und mit tiefen-psychologischen Erkenntnissen wie “dabei sein ist alles” oder “das nächste Mal wird alles besser”  lieber wieder den alltäglichen Freuden widmet. Dem Held allerdings ist all dies verwehrt. Er verwandelt sich ansonsten sozusagen mit einem Blitzschlag von einem gottgleichen Wesen wieder in eine ganz natürliche menschliche Kreatur, die wir weder bewundern noch beachten. Im Gegenteil, wer auszieht ein Held zu werden und als Jammerlappen zurückkommt, dem steht wahrlich Unheil bevor.

Der Held darf und kann deshalb nur aus Mitleid für andere weinen, eventuell noch aus Zorn, – aber niemals um Mitleid für sich selbst einzufordern. Der Knall ist ansonsten laut und die Häme groß.

So gesehen am gestrigen Mittwochabend als der glorreiche, aber schwer angeschlagene FC Bayern auszog um nicht gegen den Emporkömmling, dem heldenhaften Rasensportverein Leipzig der nun wiederum selbst auszog um den glorreichen Vereinen dieser Welt die Stirn zu bieten, unterzugehen. Wobei dem RB Leipzig wahrlich ritterhaftes Verhalten zugeschrieben werden muß. Dieser kämpft nicht nur gegen die großen – was schwer genug ist – sondern auch gegen alle kleinen, die sich eingestehen müssen, dass sie noch kleiner sind als ein kleiner der den Mut (und das Geld) hat mit einem Langzeitplan in die Götterwelten aufzubrechen.

Dass der langfristige Erfolg im Grunde immer nur mit Geld kommt scheinen alle zu vergessen, oder sollten wir besser sagen verdrängen. Der FC Bayern macht nichts anderes als alle Großen der Fußball Welt machen, nämlich die besten Spieler der Welt um sich zu scharen. Und dazu braucht man Geld. Also müsste auch der kleinste längst begriffen haben, das Geld keine Tore garantiert, aber zumindest die Wahrscheinlichkeit erhöht und ohne Geld man eben nur als heldenhafter “David” eine Chance hat. Dieser wiederum hat in seinem Leben aber auch nur einmal gegen Goliath gekämpft und nicht jedes Wochenende. Dass er dabei gewonnen hat macht die Geschichte schön, aber nicht unendlich kopierbar. Im Gegenteil. Man stelle sich die Sache umgekehrt vor. Einmal gewonnen, aber sonst Woche für Woche eine Niederlage. Ob David so auch zum König aufgestiegen wäre.

Die Frage ist also, “wie kommt man zu Geld” und nicht “ist es verwerflich mit Geld Erfolg zu haben”. Solche Fragen stellen nur die Bemitleidensten der zu Bemitleidenen. Alle anderen versuchen nämlich Geld aufzutreiben und wer das nicht kann, dem bleibt nun nichts anderes übrig als sich selbst weiter zu bemitleidenden oder sich zumindest einzugestehen dass man etwas nicht kann, was andere offensichtlich besser machen. Selbstbewusstsein hin, Selbstbewusstsein her. Solange das Geld legal erwirtschaftet wird und nicht aus dubiosen Quellen kommt, alles normal und auch richtig. Das Thema WIE VIEL Geld und ob das noch alles wertig und vernünftig ist, ist sicher ein anderes Thema, über das es noch zu “meckern” gilt.

Eine Frage nebenbei: Was machen eigentlich all die, die angeblich den Fußball so lieben und deshalb den FC Bayern und auch den RB Leipzig so hassen an so einem herrlichen Fussballabend, der allen mal wieder gezeigt hat um was es eigentlich geht. Nämlich um den Fußball. Gut ich ziehe die Frage zurück. Was auch immer sie machen, – ich werde es vermutlich nicht verstehen.

Zurück zu unseren Helden.

Der noch nicht so lange, aber in der kurzen Zeit sehr ruhmreiche RB Leipzig, empfing den FC Bayern wie immer mit einer heldenhaften Einstellung. Wir sind klein, aber unser Fußball ist fein und wir fürchten nichts, weder den FC Bayern noch K(r)ampfattacken in den Beinen, noch Ungerechtigkeiten oder Schicksalsschläge bis wir dereinst siegen und das Königreich des Fußballs neu erschaffen werden. Echte Helden also.

Dass der RB Leipzig gestern wieder mal gegen den FC Bayern verloren hat und auch wieder mal sehr unglücklich, kann dabei den Heldenstatus nicht erschüttern. Allerdings war diesmal im Gegensatz zu allen anderen bisherigen Schlachten auch ein gar jämmerliches Wimmern zu vernehmen. Zuerst nur ganz klein, aber dann ähnlich wie bei allen anderen unzivilisierten Horden in denen schnell ein “Hängt ihn auf” gefordert wird, ein immer lauter werdendes Jammern und Wehklagen.

Was war geschehen. Wurde dem Helden eine Schmach zugemutet, die er nicht ertragen konnte oder wurde er in so brutalster Weise vom Schicksal getroffen, so dass er nicht weiter die Kraft aufbringen konnte weiterfür ein Held zu sein und ins jämmerliche Menschendasein zurückfallen musste.

Zugegeben, der RB Leipzig hat das Spiel sehr unglücklich verloren. Aber gewonnen hat, wie (fast) immer der Bessere. Das gilt natürlich nicht nur wenn RB Leipzig verliert, sondern auch der FCB, zum Beispiel gegen Real Madrid oder der BVB gegen Gladbach, oder der FC Großdingharting gegen den TSV Kleindingharting.

Eine weitere Mär mit der es endlich mal aufzuräumen gilt. Es gewinnt (zumindest meist) nicht “der Glücklichere”, sondern in der Regel der Tüchtigere. Es ist nämlich so, dass der Tüchtige nicht deshalb mehr Glück hat, weil er mehr Glück hat, sondern weil er zB. so viel besser Fußball spielt, dass der andere nur z.B. mit einer Laufleistung in der er wahrscheinlich beim Marathon besser aufgehoben wäre gegenhalten kann, und sich nicht wundern muss wenn ihm dann kurz vor Schluss die Kraft ausgeht und er dann mehr und mehr Fehler macht. ODER, – umgekehrt wenn der bessere Fußballer halt doch nicht so viel besser spielt wie der Läufer, dass der ihn dann doch niederringen kann.

Hört mir auf mit diesem Jammern! Gehts raus, Burschen und spielts einfach Fußball. Das ist Gescheiter.

Letztlich in keinem Fall ein Grund vom strahlenden Helden voller Sympathie zum erbärmlichen Jammerlappen hinüber zu gleiten.

Mal objektiv gesehen:
Wer kann es dem Schiedsrichter verdenken, wenn er eine Entscheidung hinterfragt, von der er im Vorneherein weiß, dass er sie gar nicht richtig treffen kann. Aus “”meiner” Sicht begann das Foul ganz knapp außerhalb und endete deutlich innerhalb. Ich hab es aber 20x in der Zeitlupe gesehen und weiß es immer noch nicht genau. Ist es nicht sogar besonders clever und gerecht sich noch eine Meinung einzuholen und wenn beide das Gefühl haben sich nicht sicher zu sein die sichere Variante zu treffen um das Spiel eben NICHT zu beeinflussen.

Bei einem Null zu Null bleibt das Spiel eben unverändert und wird NICHT durch den Schiedsrichter beeinflusst. Ein Tor für Leipzig hätte dagegen das Spiel DEUTLICH zu Gunsten von Leipzig gedreht. Verständlich, aber für einen Helden doch etwas peinlich so laut krakelend mit dem Fuß aufzustampfen und mit weinerlicher Stimme zu fordern, dass ihm nun mal auch ein bisschen Glück zusteht. Zumal der Schiedsrichter in Anbetracht der gesamten Situation wohl nicht so falsch reagiert hat. DAS ist dann ein bisschen so wie wenn man sich beim zornigen Aufstampfen noch den Fuß verstaucht.

Für jeden Komiker ein Brüller.

Über die zweite Elfmeter-Entscheidung zu lamentieren macht noch weniger Sinn. Eine ganz normale kannst du/kannst du nicht Entscheidung. Und die dritte Entscheidung dann Elfmeter zu geben um Gerechtigkeit einzufordern verstehen sowieso nur noch die einfältigsten Fans und kann man entgegen der lautstark angemahnten Benachteiligung ganz einfach nur als eine eindeutige und massive regelwidrige Benachteiligung der Bayern sehen. EGAL was davor oder danach war.

Elfmeter oder nicht hat nun mal wenig mit anderen Entscheidungen und schon gar nichts mit roten Karten zu tun und auf keinen Fall mit Gerechtigkeit. Es bleibt eine Nuance in einem Fussballspiel, – mit großer Wirkung. Und das ist auch gut so.

Über Elfmeter zu diskutieren ist auch dem Helden nicht verwehrt und kann auch ungerecht sein. Aber das macht Helden eben aus, dass sie gegen Ungerechtigkeiten kämpfen und weil sie eben Helden sind nicht daran zu Grunde gehen.

Die Farce über den Platzverweis doch noch irgendeinen anderen Schuldigen zu finden als sich selbst hat nun aber wahrlich gar nichts heldenhaftes an sich. Jeder hat seine Sicht der Dinge. ABER, die erste gelbe Karte war nicht Gelb, sondern dunkelrot. Wenn du so deutlich absichtlich oder übermotiviert das Schienbein oder den Knöchel deines Gegenspielers triffst gehörst du vom Platz. Glück also, aber durchaus nachvollziehbar “zurückhaltend” aus der Sicht des Schiedsrichters, dass er nicht da schon Platz flog, gerade weil er das Spiel eben nicht frühzeitig beeinflussen wollte. Wenn dann der selbe Spieler wenige Minuten später ein klares taktisches Foul begeht von dem ebenfalls jeder weiß dass es Gelb zur Folge hat, muss man sich doch nicht wundern dass man dann zu 10 weiterspielt.

Es wäre deutlich besser und heroenhafter sich auch öffentlich zu hinterfragen einen zweifellos guten Spieler einzusetzen obwohl man weiß wie unberechenbar dieser – vor allem derzeit – agiert.

Wobei wir wieder beim Geld wären, so dass es sich die Bayern eben leisten konnten einen so wichtigen “Krieger” wie Vidal in so einer heißen Schlacht trotzdem auszuwechseln. Einfach cleverer.

Nur clever ist natürlich immer der, der am Ende gewinnt. Das macht den Fußball ja so schön, dass du mit Weisheiten nicht viel gewinnst und jeder Sieg jedem noch so dummen Argumenten recht gibt. Da kann auch mal der “dümmere” gewinnen. Aber meistens eben nicht. Ein immer wieder kehrendes Happyend. Auch das macht das Spiel so schön.

Fazit:
Ein super schönes spannendes tolles Spiel bei dem sich 2 fast gleichwertige Mannschaften einen Klasse-Fight geliefert haben. Und die Heroen in beiden Mannschaften auch wieder enorm an Ansehen gewonnen haben.

Schade eigentlich nur dass die Leipziger nach so einem heldenhaften tollen Kampf ausgerechnet durch die Feldherrn der Schlacht außerhalb des Spielfeldes in Ihrem Ansehen sehr schwer beschädigt wurden. Der weinerliche Auftritt von Coach Hasenhüttl, derweil bekannt als besonnener Rittersmann, der sich immer mehr in den Status des ungerecht verfolgten Märtyrers hineinsteigerte war schlimm genug und eigentlich nur zu ertragen weil es letztlich auch schon wieder etwas belustigendes hat, wenn sich der scheiternde Held von gestern in wenig heldenhafter Manier in einen Suppenkasper verwandelt.

Getoppt durch den eigentlich sehr kühlen und super intelligenten Oberfeldherrn (heutzutage Manager genannt), der sich all seine jahrelang erworbenen Meriten in Sekunden zu nichte macht, in dem er wie ein aufgeregter Volksschüler der Lehrerin nach der Pause bzw. in der Pause hinterherrennt und unbedingt petzen muss, was die Pausenaufsicht alles nicht gesehen hat. Peinlich. Schlimmer geht nimmer. So wie wir Herrn R. einschätzen wird er allerdings heute bereits selbst darüber lachen können. Hoffentlich !

Vorbei ist es mit der Sympathie für “David” der den Goliath schlagen will. So einen David wollen wir nicht. JA er soll antreten, aber er soll dann bitteschön auch heroisch in der Schlacht untergehen und nicht unser Mitleid und Gewissen strapazieren. Wir haben ja gleich gesagt “er solls nicht machen”. Ab sofort werde ich immer auch mit einem Gedanken hoffen, dass RB Leipzig möglichst unglücklich verliert, weil das unwürdige Schauspiel, dass Sie dabei bieten beträchtlichen Unterhaltungswert mit sich bringt. Sozusagen Sport, Theater, Spannung und Drama in einem. Allerdings ohne Helden.

Das Schöne beim Fußball ist allerdings. Beim nächsten Spiel ist schon wieder alles anders.

Sei es drum. Ein Blick jedoch tief hinter die Kulissen schadet nie. Denn dort in der Heldenschmiede werden die echten Helden gemacht. Die die nicht weinen, sondern am Ende immer gewinnen.

Vielleicht sollten die Leipziger beim nächsten Spiel einfach einen Schluck mehr aus der Brausedose Ihres allerallerobersten Feldherrn nehmen, damit Sie nicht nur fliegen können, sondern auch mit noch mehr Mut dem Schiedsrichter mit einem heldenhaften Gruß aus der Asterix Enzyklopädie entgegen treten.

“Ave Felix Zwayer. Morituri te salutant.”

Dann klappt auch mal mit dem FC Bayern 🙂

Letztlich dürfen Helden also auch mal weinen. Nur bitte nicht (so) laut und auf keinen Fall jämmerlich. Wichtig ist nur dass Sie letztlich am Ende (auch mal) gewinnen. Deshalb halten wir nächsten Samstag schon wieder beiden Mannschaften die Daumen.

Es macht nichts wenn der Glücklichere gewinnt.
Möge es auf jeden Fall aber auch der “Tüchtigere” sein !

 

PS:
Es macht die Liga spannend, hilft den “jungen Wilden” aus Leipzig und zeigt, dass die Feldherren Herr H. und Herr R. doch aus dem Holz geschnitzt sind um selbst Helden zu schnitzen … ?? … Wir reden von der charmanten und intelligenten Art und Weise wie Herr H. und Herr R. Ihre kleinen, aber durchaus nachvollziehbaren “Aussetzer” bei einem so nervenaufreibendem Spiel einfach weggelächelt haben, mit der Erkenntnis, dass man sich mit solch lustigen Auftritten nur bedingt Authorität verschafft. Chapeau. Umso mehr freuen wir uns schon auf das Rückspiel und die hoffentlich noch vielen weiteren Fussballfeste mit dem neuen Herausforderer in den nächsten Jahren.

Wir wünschen beide viele gute Trainingseinheiten und “viel” Glück.

 

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