DAS ABARTIGE SPIEL DES HALBFINALISTEN DER HERZEN

Jede/r kennt die Formel der Sensation: DPHSEG DER POKAL HAT SEINE EIGENEN GESETZE.

FC Bayern – 1. FC Heidenheim | 5:4 (1:2)

München, Allianz Arena, 03.04.2019

In diesem Fall, dem Fall des 1:0, 1:2, 4:2, 4:4, 5:4 des FC Bayern gegen den 1. FC Heidenheim am Mittwochabend in der Münchner Allianz Arena, kann DPHSEG auch stehen für:

FUSSBALL IST DING, DANG, DONG.
ES GIBT NICHT NUR DING.

(Kick-Philosophie des einstigen FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni)

Die aktuelle FC Bayern-Kolumne
von Jupp Suttner

DRAMA. POWER. HEIDENHEIM. SÜLE. ELFMETER. GLATZEL.

Oder so ähnlich. Jedes einzelne Wort eine ganze Novelle wert.

„Gähn, Baby, gääähn“, hatte man vorher gemutmaßt.

„Drama, Baby, Drama!“ wurde es.

Ein wahrlich erregendes Schauspiel, dieses DFB-Pokal-Viertelfinal-Match, das es mehr als wert war, vor tatsächlich 75 000 Zuschauern auf der grünen Bühne zur Aufführung gebracht zu werden. Mit Verlierern, die den Tränen nicht nur nahe waren. Und mit Siegern, deren Gesichtsausdrücke hinterher bei den einen so leer wirkten, als seien sie gerade ausgeschieden und bei anderen so erschrocken, als wäre ihnen im Strafraum der Leibhaftige persönlich begegnet. Mienen, die signalisierten: Gerade noch davongekommen!, gerade noch der Sensations-Blamage von der Schippe gesprungen!

Dabei war es doch weitaus angebrachter, dass die Heidenheimer Augen gramvoll auf das Geschehen zurück blickten. So kurz vor dem Coup – und dann doch nichts in Händen. Drei Treffer von Robert GLATZEL – und dann wird doch Robert LEWANDOWSKI offiziell zum „Spieler des Spiels“ gekürt, der zwar nur zwei Tore erzielte, doch eines davon eben den Sieg bedeutete. Dieser Robert/Robert-Vergleich symbolisiert die gesamte Partie.

„Ich bin einerseits unendlich traurig“, so Heidenheims Trainer Frank Schmidt hinterher in der Pressekonferenz, „aber andererseits stolz auf die Mannschaft – das war abartig, was sie heute geleistet hat!“

„Ich bin einerseits verärgert, weil die Kompaktheit bei uns fehlte“, so Bayerns Trainer Niko Kovac eine Minute später, „aber andererseits natürlich erfreut über die Moral.“

Schmidt: „Wir hatten unsere Aktien lange im Spiel.“ Und: „Wir haben es uns vorher vorgestellt, dass wir so ein wildes Spiel bekommen.“

Kovac: „Dieses wilde Spiel mag ich überhaupt nicht – mir wäre ein 1:0 lieber gewesen als ein 5:4!“ Und tadelte Teile seines Teams auf offener Bühne wie vielleicht noch nie: „Es ärgert mich schon, dass wir so viele Nationalspieler haben, die schon so viel erreicht haben, es aber nicht so runterspielen können, wie es sich gehört.“

Am Ende habe dann „ein Quäntchen Glück“ für sein Team entschieden. Was diese 90 Minuten für das Samstagsspiel gegen Dortmund bedeuten würden?, fragte ein Reporter. „Ich bin weder ein Wahrsager noch Hellseher“, so der Bayern-Coach, „aber ich glaube, dass es einen positiven Aspekt hat, dass wir heute eigentlich schon ausgeschieden waren…“ Aber doch noch zurück kamen. Und am Ende „das Quäntchen Glück hatten“.

Und was haben die Heidenheimer?

Frank Schmidt: „Wir sind der Halbfinalist der Herzen“.

Jupp Suttner

DING (super): Dass die Bayern nach Süles roter Karte und einem Rückstand auch mit nur zehn Mann sich durchsetzten.

DANG (auch nicht schlecht): Dass damit immer noch die Möglichkeit des Doubles besteht.

DOOOOOONG (beruhigend): Dass die Münchner nach diesem Sieg der Moral am Samstag nun garantiert bereits von der 1. Minute an hoch motiviert gegen Dortmund ins Spiel gehen werden.

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